Grundlagen der Schwarmfinanzierung für Start-ups und etablierte Unternehmen

Seit 2013 nehmen auch in Deutschland Finanzierungsangebote für neu zu gründende Start-ups und inzwischen auch für etablierte Unternehmen zu, welche sich aus einer Vielzahl von Geldgebern, die sich zu einem „Investorenschwarm“ zusammenfinden, speisen. Diese sogenannten Schwarmfinanzierungen wiesen 2014 allein in Deutschland bereits 140 Millionen Euro an Finanzierungsvolumen laut einer Studie des Beratungsunternehmens EY auf. Dabei ist Schwarmfinanzierung nicht gleich Crowdfunding und nicht gleich Crowdlending, weswegen mit diesem Artikel einige Grundzüge und beachtenswerte Informationen für „finanzierungsschwärmende“ junge und etablierte Unternehmen gegeben werden sollen

Als Überblick können folgende Grundtypen von Schwarmfinanzierungen, bei denen ein/e „Unternehmer/in“ oder Unternehmen immer eine Vielzahl an Geldgebern vom „Unternehmer“ über spezifische Internetplattformen umwirbt, unterschieden werden.

 

1. Crowdfunding

Das „Crowdfunding“ wird häufig auch als Synonym für die nachfolgenden Schwarmfinanzierungsarten verwendet, da es sehr gut die Ursprünge des „Geldspendens“ vieler Geldgeber für ein Vorhaben, sei es wirtschaftlicher und/oder kulturell-sozialer Art, bezeichnet. Beim Crowdfunding im engeren Sinne geht es um das Einwerben von vielen „Klein-Spenden“ für sozial-kulturelle Projekte (z.B. Film, Umweltprodukte, gemeinnützige Vorhaben etc.). Als Gegenleistung bekommen die Geldgeber häufig (im-) materielle „Geschenke“ wie Freiexemplare, CD, Sponsorennennungen, Danksagungen, Autogramme etc., und manchmal im Falle der Rückzahlung auch eine Verzinsung auf das gegebene Geld wie am Beispiel des Films „Stromberg“ zu verfolgen ist. Der „Mechanismus“ des Geld-Leistungs-Austausches liegt in einer sozialen, persönlichen und inhaltlichen Identifikation des Geldgebers mit dem Vorhaben und dem „Unternehmer“ bzw. Unternehmen auf einfacher, eventuell nicht schriftlicher Vertragsgrundlage. Die Vermittlung dieser „Geldspenden“ vieler „Mäzene“ geschieht häufig über eher provisions-freie Plattformen oder gegen eine geringe „Goodwill-Gebühr“.


2. Crowdinvesting/ Crowdlending

Hingegen sind das „Crowdinvesting“ wie auch das „Crowdlending“ wirtschaftlich ausgerichtete Formen der „Geldanlage“ bzw. des „Geldleihens“ vieler Geldgeber an eine/n Unternehmer/in bzw. Unternehmen über spezifische Internetplattformen. Dabei geht es um das Einwerben von kleineren oder größeren Geldbeträgen für unternehmerische, innovative Gründungsideen und Wachstumsprojekte, sei es als „wirtschaftliches Eigenkapital“ in Form des „Investorenmodells“ oder in Darlehensform. Als Gegenleistung werden den Geldgebern alternativ Zinsen, Gewinnanteile, Wertsteigerungen oder erhöhte Rückkaufswerte der Geschäftsanteile angeboten. In Abhängigkeit vom tatsächlichen Innovationsgrad des Vorhabens und der Höhe des einzubringenden Geldbetrages besteht ein mehr oder weniger überschaubar bis hohes Risiko für den Anleger. Der „Mechanismus“ des Geld-Leistungs-Austausches liegt in einer wirtschaftlichen und inhaltlichen Identifikation des Geldgebers mit dem Unternehmen bzw. Vorhaben und dem Unternehmer auf vertraglicher Basis. Die Vermittlung solcher vielen Investoren oder Geldleiher geschieht über provisionsgetriebene Internetplattformen, die ähnlich hohe Anforderungen an eine professionelle Darstellung des Projektes wie ein Risikokapitalgeber stellen.


Gemeinsamkeiten aller Schwarmfinanzierungsformen sind
:

    • Einschaltung spezialisierter Online-Plattformen für die großzahlige Anwerbung der Einzahlungen von der Geldgeber-Zielgruppe.
    • Sammlung der vielen Einzahlungen auf ein Treuhandkonto bis zur ausgelobten Summe, falls Projekt nicht durchgeführt wird, wird über dieses Treuhandkonto der Rückfluß der Finanzmittel an die Geldgeber abgewickelt.
    • Der Geldeinsammler bzw. „Unternehmer/in“ muß

˗ sich persönlich und sein Unternehmen ausführlich zu erkennen geben,
˗ sein möglichst innovativ-einzigartiges Konzept nachvollziehbar authentisch und …
˗ …zugleich einer großen Empfängerschar als „begehrenswert“ kommunikativ „verkaufen“ können,
˗ kein Problem mit der „Veröffentlichung“ seines Projektes und dessen wertvoll-lukrativen Kern haben (= „Sozialisierung“ des im-/ materiellen Nutzens) haben,
˗ Internet-Kommunikationsmaßnahmen wie SEO, SEM, SMM in kurzer Zeit (höchstens 3 Monate) zum Transport seines Vorhabens erfolgreich, also mit einer großen Reichweite zu potentiellen Geldgebern hin einsetzen.


Als erstes Fazit kann festgehalten werden, daß auch auf dem deutschen Finanzierungsmarkt die Schwarmfinanzierungen angekommen sind und unter bestimmten Umständen für neue und innovative Vorhaben aus dem sozialen und wirtschaftlichen Bereich eingesetzt werden. Nicht immer, aber vielleicht zunehmend stellen Crowdfunding & Co. eine Alternative zur herkömmlichen Bankfinanzierung dar, wenn die Bank aus Risikoerwägungen heraus eine Finanzierung des Vorhabens ablehnt oder sich bei kulturellen Vorhaben als nicht zuständig sieht. Gleichwohl bleiben Schwarmfinanzierungen aber immer auch Risikofinanzierungen.


Als Fortsetzung dieses Artikels werden in einem zweiten Text die betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Aspekte von Schwarmfinanzierungen erläutert (Beachtenswertes beim Crowdfunding von Start-ups).

Zurück